Drogenhändlerring aufgeflogen - sechs Festnahmen

Mittwoch, den 22. Februar 2012 um 12:14 Uhr Verfasst von  Sascha Pfannstiel
Alle sechs Täter sitzen nach der Festnahme in U-Haft. Alle sechs Täter sitzen nach der Festnahme in U-Haft. Foto: pfa/Archiv

PADERBORN. Nach fünf Monaten intensiver Ermittlungsarbeit im Drogenkommissariat hat die Polizei fünf Männer und eine Frau festgenommen, die im Verdacht des Drogenhandels stehen. Am Sonntag wurden laut Polizeibericht von Mittwoch gegen alle Tatverdächtigen Haftbefehle erlassen. Die Bande soll allein in den letzten Monaten über 30 Kilogramm Amphetamin und kiloweise Cannabis aus den Niederlanden eingeführt und im Raum Paderborn umgesetzt haben.

Anfang Oktober vergangenen Jahres erhielten die Drogenfahnder der Paderborner Polizei Erkenntnisse über eine unbekannte Bande, die im großen Stil Drogen in den Raum Paderborn schaffen sollte. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren ein. Nach ersten Recherchen stellte sich heraus, dass mehrere Personen in dem streng abgeschotteten Dealerring aktiv waren und kiloweise Amphetamine, Cannabis und auch Kokain aus den Niederlanden einführten. Zur weiteren Aufklärung des Drogenhandels wurde die Ermittlungsgruppe "EK Schnee" gegründet. Durch Observationen und verdeckte Ermittlungen konnten die Krimialbeamten nach und nach die Beteiligten identifizieren und auch ihre Einfuhrwege aufdecken. Als Drahtzieher fungierten demnach ein arbeitsloser 34-jähriger Mann und seine berufstätige 27-jährige Lebensgefährtin. Ihre Komplizen waren drei Gelegenheitsjobber im Alter von 27, 28 und 35 Jahren sowie ein 24-jähriger Auszubildender. Bis auf die Frau, so die Erkenntnisse der Ermittler, konsumierten auch die Tatverdächtigen regelmäßig ihre Drogen.

Amphetamine, Marihuana
In unterschiedlicher Beteiligung fuhren die Dealer mit angemieteten Autos nach Holland zu ihrem "Großhändler". In Paderborn wurden die illegal eingeschmuggelten Drogen über ein größeres Verteilernetz an die Konsumenten ausgeliefert. Der hiesige Drogenhandel fand in verschiedenen Wohnungen stand. Als Abnehmer des Amphetamins gelten hauptsächlich Personen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Da die Abnehmer dieser "Partydroge" zusätzlich Marihuana konsumieren, weitete das Dealer-Sextett den Handel aus Cannabisprodukte aus.

Zugriff bei der Rückkehr vor dem Wohnhaus
Als sich eine neue Einfuhrfahrt anbahnte, plante die "EK Schnee" den Zugriff am vergangenen Karnevals-Wochenende und zog weitere Kriminalbeamte sowie die Zivilfahnder der Paderborner Polizei hinzu. Durch Observationen konnte geklärt werden, dass der 34-jährige Bandenkopf und seine Freundin selbst nach Holland fuhren. Das Pärchen brach früh am Samstagmorgen auf und kam am frühen Nachmittag zurück. Verdeckt warteten die Fahnder bereits vor deren Haustür und griffen zu, als die beiden ins Haus gehen wollten. Völlig überrascht ließ sich das Pärchen festnehmen. Im Auto fanden die Ermittler über zwei Kilo Cannabis und ein halbes Kilo einer noch nicht bestimmen Drogensubstanz.

Zeitgleich mit der Festnahme des Pärchens griffen weitere Polizeibeamte auch in den Wohnungen der Komplizen zu. Alle vier Männer konnten widerstandslos festgenommen werden. Im Zuge der Wohnungsdurchsuchungen sicherte die Polizei zahlreiche Beweismittel und stellte Computer sicher. Ihre "Buchführung" hatten die Tatverdächtigen auf PCs gespeichert.

300.000 Euro Umsatz gemacht
Aufgrund des bislang vorliegenden Beweismaterials gehen Staatsanwaltschaft und Polizei davon aus, dass die Bande allein in den letzten Monaten Drogen im Verkaufswert von rund 300.000 Euro umgesetzt hat. Alle Beteiligten pflegten einen luxuriösen Lebenswandel und hatten teure Wohnungseinrichtungen. Die Finanzermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

Drei der Tatverdächtigen waren früher bereits mit Drogendelikten in Erscheinung getreten. Zwei davon standen noch unter Bewährung. Die anderen waren bislang nicht polizeilich aufgefallen. Am Sonntag wurden die fünf Männer und die junge Frau dem Haftrichter am Paderborner Amtsgericht vorgeführt. Gegen alle sechs Tatverdächtige wurde Haftbefehl erlassen. Sie sitzen in Untersuchungshaft. Rund 50 Ermittlungsverfahren richten sich gegen Zwischenhändler und Abnehmer des Drogenrings.