Pkw und Radlader kollidieren - Hubschrauber

Freitag, den 18. August 2017 um 11:42 Uhr Verfasst von  Matthias Böhl
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Beide Frauen wurden durch Feuerwehr und Rettungsdienst aus dem Unfallwrack befreit. Beide Frauen wurden durch Feuerwehr und Rettungsdienst aus dem Unfallwrack befreit. Fotos: Matthias Böhl

LEIMSTRUTH. Bei einem schweren Verkehrsunfall sind gestern am späten Nachmittag ein Kleinwagen und ein Radlader kollidiert. Dabei wurden die beiden Frauen aus dem Pkw schwer verletzt, eine von ihnen wurde mit dem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen.

Der Unfall

Der Unfall ereignete sich auf der Leimstruth, und zwar genau auf der Höhe zwischen Erndtebrück und Bad Laasphe, im Kreuzungsbereich der Bundesstraßen 62 und 480. Zur Unfallzeit, gegen 16.15 Uhr, war ein 17-jähriger Mann aus Bad Laasphe mit einem Radlader von Erndtebrück kommend unterwegs und wollte im Kreuzungsbereich nach links auf die B 480 in Richtung Weidenhausen abbiegen. Dabei übersah er wegen einer beschlagenen Seitenscheibe den entgegenkommenden Citroen, der von einer 46-jährigen Frau aus Biedenkopf gesteuert wurde. Sie war mit ihrer 78-jährigen Begleiterin aus Erndtebrück in Richtung Schameder unterwegs. Da der Radlader in die Kreuzung einfuhr, kam es zum Zusammenstoß der beiden Fahrzeuge. Dabei war der Aufprall so heftig, dass der Radlader noch ein ganzes Stück in die Kreuzung geschoben wurde. Im Einmündungsbereich kamen beide Fahrzeuge schwer beschädigt zum Stehen.

Der Rettungsdienst

Der Rettungsdienst war mit einem Großaufgebot vor Ort. Im Einsatz waren die DRK Rettungswagen aus Bad Laasphe, Erndtebrück und Kreuztal, der DRK Notarzt aus Bad Laasphe, sowie der Siegener ADAC-Rettungshubschrauber „Christoph 25“. Außerdem war ein KTW der DRK Rettungswache Erndtebrück zufällig in der Nähe und die Besatzung unterstützte die Kollegen vor Ort. Außerdem war ein Mitarbeiter der Siegener Kreisleitstelle, und engagiertes Mitglied der Bad Laaspher Feuerwehr, gerade auf dem Rückweg von einem Lehrgang in Münster und konnte an der Einsatzstelle dann ebenso unterstützend tätig werden.

Der ADAC Hubschrauber landete nicht auf der gesperrten Bundesstraße, sondern einige Meter weiter in einem Wirtschaftsweg. Dazu hatte der erfahrene Pilot Jan Weber auch einen Grund: Da durch den Aufprall Trümmerteile weit in die Fahrbahn geschleudert wurden und eine Telefonleitung direkt neben der Fahrbahn her führte, wäre eine Landung in diesem Areal zu riskant gewesen. Zum Einen hätten die weit verteilten Trümmerteile und das bereits ausgestreute Ölbindemittel umherwirbeln können, zum Anderen war es wegen der Leitung ziemlich eng, um auf der Fahrbahn zu landen.

Christian Wagner, Mitarbeiter der Erndtebrücker DRK Rettungswache, hatte in der ersten Lage als ersteintreffender Rettungsassistent die medizinische Einsatzleitung übernommen. Er war im ersten Moment dafür zuständig, sich einen genauen Überblick über die Anzahl der betroffenen Personen, die Art der Verletzungen und weitere Gefahren zu verschaffen. Dies ist wichtig, um der Leitstelle eine entsprechende Rückmeldung zu geben, und den effektiven Einsatz weiterer Rettungsmittel koordinieren zu können.

Die Rettungsteams kümmerten sich um die beiden Frauen aus dem Pkw, die beide schwer verletzt worden waren. Eine von ihnen musste nach der Befreiung durch die Feuerwehr und die Erstversorgung vor Ort mit dem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen werden. Die andere Frau wurde mit einem Notarztwagen ebenfalls in ein Siegener Krankenhaus gefahren. Der junge Fahrer des Radladers blieb glücklicherweise unverletzt.

Die Feuerwehr

Da zunächst davon ausgegangen werden musste, dass bei dem Unfall Menschen eingeklemmt waren, wurden die Feuerwehren aus Bad Laasphe, Feudingen und Rüppershausen mit dem Einsatzstichwort „TH2“ alarmiert. TH2 bedeutet im Kreis Siegen-Wittgenstein, dass Menschen nach einem Unfall eingeklemmt sind und mit schwerem Gerät befreit werden müssen. Dies muss nicht immer nach einem Verkehrsunfall sein, es kann auch zum Beispiel bei einem Baustellenunfall eintreten, wenn zum Beispiel ein Arbeiter verschüttet wurde, oder wenn ein Mensch unter einer einstürzenden Wand, etc. begraben wurde. Auch wenn Fabrikarbeiter in einer Maschine eingeklemmt werden, wird mit dem Stichwort „TH2“ alarmiert.

Unter der Einsatzleitung von Rainer Müller, Stadtbrandinspektor der Feuerwehr Bad Laasphe, waren rund 20 Feuerwehrleute im Einsatz. In enger Abstimmung mit den Rettungskräften und Notärzten befreiten sie die beiden Frauen aus dem Auto, obwohl diese nicht eingeklemmt waren: Hierbei ging es um eine patientenorientierte Rettung. Das heisst, es wird ein besonderes Augenmerk darauf gelegt, dass die Patienten möglichst schonend befreit werden. Dabei steht die Schnelligkeit nicht im Vordergrund. So kann man nur vorgehen, wenn die Patienten sich kreislaufstabil präsentieren, also nicht in akuter Lebensgefahr schweben. Im Gegensatz dazu gibt es die so genannte Crash Rettung, bei der die Menschen möglichst schnell befreit werden müssen, weil sie in Lebensgefahr schweben und man ihnen in ihrer eingeklemmten Lage nicht helfen kann. Dann reicht die Zeit nicht aus, auf eine Wirbelsäulenimmobilisation zu achten, weil die Patienten den Unfall dann nicht mehr überleben würden.

Bei dem Unfall gestern wurden zur Rettung beider Frauen so genannte Spineboards eingesetzt. Das sind „Rettungsbretter“, die nach amerikanischem Vorbild eingesetzt werden. Sowohl die Rettungswagen des DRK Rettungsdienstes, als auch manche Feuerwehrfahrzeuge haben diese Bretter an Bord. Mit einem speziellen Gurtsystem werden Patienten darauf fest verschnürt und können dann nahezu bewegungsfrei aus ihrer Lage gerettet werden.

Neben der Befreiung der verletzten Frauen waren die Feuerwehren gestern aber auch zuständig, die Gesamteinsatzleitung zu übernehmen, auslaufende Kraftstoffe abzustreuen, die Polizei bei der Beweissicherung zu unterstützten, den Brandschutz sicherzustellen und beim Transport zum Rettungshubschrauber behilflich zu sein.

Die Polizei

Die Polizei war mit mehreren Streifenwagen aus Bad Laasphe und Bad Berleburg vor Ort. Als erstes sperrten sie mit ihren Wagen die Fahrbahn ab, um den Rettungskräften ein gefahrloses Arbeiten zu ermöglichen und um zu verhindern, dass Autos versuchen, die Unfallstelle zu durchfahren. Trotz arbeitender Einsatzkräfte kommt dies immer wieder vor. Gestern zeigten sich die Autofahrer und Lkw-Fahrer die lange im Stau standen aber sehr verständnisvoll und leisteten den Anweisungen der Polizei Folge. Besonders hart traf es einen Lkw-Fahrer aus dem Kreis Soest, der bis 18.00 Uhr Material abladen musste: Hätte er das noch geschafft, hätte er gestern noch nach Hause fahren können. Durch den Unfall konnte er nicht mehr pünktlich abladen und musste so über Nacht auf dem Firmengelände bleiben, um heute Morgen abladen zu können. Aber die Rettungsarbeiten an der Einsatzstelle haben natürlich Priorität.

Die Polizeibeamten halfen außerdem bei der Versorgung der schwer verletzten Frauen mit.

Auch nachdem die Rettungsarbeiten abgeschlossen waren, musste der Kreuzungsbereich noch gesperrt bleiben. Zum einen mussten die Polizeibeamten vor Ort Spuren sichern und Beweisfotos nach dem so genannten Monobildverfahren anfertigen. Dieses Verfahren ermöglicht es, hinterher computergestützt die Einsatzstelle in Quadrate aufzuteilen und so die Spurenlage exakt zu ermitteln. Dies ist wichtig, um die genaue Schuldfrage eindeutig zu klären und es wird später helfen, dass die Geschädigten ihre Ansprüche vor Gericht geltend machen können.

Weiterer Grund für die anhaltende Sperrung war das ausgelaufene Öl. Zwar darf die Feuerwehr es abstreuen, solche großen Mengen aber rechtlich gesehen nicht mehr entsorgen. Dazu musste eine Spezialfirma anrücken, die einen langen Anfahrtsweg hatte. Um das Öl nicht weiter zu verteilen und so eine Umweltgefahr und eine erhöhte Unfallgefahr zu provozieren, durfte auch nach Abschluss der Unfallaufnahme die Kreuzung nicht durchfahren werden. Lediglich eine einspurige Verkehrsführung über die B 62 war möglich. Bei Einsatz der Entsorgungsfirma musste die Unfallstelle nochmals komplett gesperrt werden.

Die Unfallfahrzeuge

Sowohl der Radlader, als auch der Citroen der beiden Frauen wurden schwer beschädigt. Am Radlader kam es zum Anbruch des rechten Vorderrades, das nur noch eierte. Es war lediglich möglich, den Radlader vorsichtig in eine Haltebucht zu bringen, damit die Kreuzung frei wurde. Bei einer Weiterfahrt hätte das Rad jeder Zeit abbrechen können. Der Citroen der beiden Frauen wurde total zerstört und musste abgeschleppt werden. Den Sachschaden gibt die Polizei mit 20.000 Euro an.